„Mission Hollywood“-Billiger Abklatsch der Klum-Show
09. Juni 2009 - Fernsehen, Kritik - Autor: Franzi
Und schon wieder eine neue Castingshow! Wir können anscheinend nicht genug bekommen. Deutschland strahlt die meisten Castingformate weltweit aus!
Seit gestern Abend wird bei „Mission Hollywood” (RTL, montags, 20:15Uhr) eine neue Schauspielerin gesucht. Natürlich auch wieder ein Traumberuf, der Reichtum, Anerkennung und ganz viel Glanz und Glamour verspricht. Und es wird nicht irgendeine Schauspielerin gesucht- nein der Gewinnerin wird nach 3 Monaten der internationale Durchbruch in Hollywood quasi geschenkt. Auffällig ist auch, dass nur Frauen bei der Show mitmachen…naja der Gewinnerin wird eine Rolle für den neuen Teil des Teenie-Kitsch-Films „Twighlight” versprochen- was für eine Rolle wird nicht erwähnt- wohl aus gutem Grund?!
Schon nach einigen Minuten erkennt man Parallelen zur ProSieben Show: „Germanys next Topmodel”. Til Schweiger „moderiert” und leitet die Sendung. Außerdem verkörpert er wie Heidi Klum den Traum der Kandidatinnen und steht als „Über-Mensch” vor ihnen. Leider wurden die Vorcastings nicht ausgestrahlt- der Zuschauer weiß nicht nach welchen Kriterien die 12 Mädels ausgewählt wurden. Nach meinen Recherchen haben die meisten wenigstens eine Schauspielschule besucht- wenn man aber bedenkt, dass Soap-Darsteller auch ausgebildete Schauspieler sind, verfliegt schnell die Hoffnung, dass die Kandidatinnen vielleicht doch mal was können.
Der Aufbau der Sendung wurde komplett von der ProSieben Show abgekupfert. Es treffen zunächst alle Kandidatinnen am Flughafen aufeinander, es folgt eine Videobotschaft von Til und danach werden sie mit Home-Videos während einer Challenge den Zuschauern vorgestellt. Natürlich kommt es hier auch wieder zu einer Stereotypisierung der Teilnehmerinnen. Eine Kandidatin war früher eine Außenseiterin und ist demzufolge der „Freak” der Sendung, eine andere glaubt und betet jeden Tag zu Gott, nun ist sie die „Moralische” und „Religiöse”. RTL vergaß auch nicht die Intimität und Emotionalität in den Vordergrund zu rücken- da wurden Familienverhältnisse und der Tod der Mutter der Teilnehmerinnen breit getreten.
Neben der Challenge müssen die Mädels auch eine Szene drehen (gleicht den Fotoshoots bei den TopModels). Als die Szenen verteilt werden, wird einem auch klar warum RTL nur weibliche Teilnehmerinnen gecastet hat. Nicht nur wegen den Streitereien unter Frauen, sondern auch wegen dem Werbemoto „Sex sells”! Es standen 3 Szenen zur Auswahl: die Orgasmusszene in „Harry and Sally”, die Kussszene zwischen 2 Frauen in „Eiskalte Engel” und die Stripteaseszene in „9 ½ Wochen”. Auf die Spitze wurde das Fiasko getrieben, als sich die Mädels künstliche Nippel auf die Brüste kleben sollten. Ich glaub dem muss man nichts mehr hinzufügen- ich war erstmal sprachlos.
Wie bei der Klum-Show werden die Mädels zu Castings für RTL-Sendungen geschickt. Nach den Aufgaben folgt am Ende der Sendung die Entscheidung, wer bleiben darf. Die Entscheidung ist hier auch mit einem Geschenk (eine Oscar-Figur) und einer Reise nach Los Angeles verbunden.
Bei dem werberelevanten Publikum erreichte die erste Ausstrahlung entgegen aller Erwartungen nur einen Marktanteil von 15,2 Prozent. Die Klumsche Show schaffte dagegen immer einen Marktanteil um die 20 Prozent. Wie dem auch sei, es war sehr amüsant die „neue” Sendung anzuschauen!
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