Twitter Facebook RSS

Antichrist

09. September 2009 - Filme, Kritik - Autor: Franzi

















Filmstart: 10.09.2009
Länge: 104 Minuten
Genre: Horror
FSK: keine Jugendfreigabe

Stab

Regie: Lars von Trier
Drehbuch: Lars von Trier
Produktion: Meta Louise Foldager
Kamera: Anthony Dod Mantle
Darsteller: Willem Dafoe, Charlotte Gainsbourg

Handlung

Ein Ehepaar vergnügt sich beim gemeinsamen Geschlechtsakt und bemerkt nicht wie ihr kleiner Sohn auf den Fenstersims klettert und schlussendlich in die Tiefe stürzt. Nach dem Unfalltod wird die Mutter mit Selbstvorwürfen und Gewissensbissen geplagt und stürzt in eine tiefe Depression. Ihr Mann, ein Psychoanalytiker, hat den Tod anscheinend ganz gut verkraftet und will seiner Frau mit einer Angsttherapie aus ihrem Trauma befreien. Da ihre tiefe Angst der Wald ist, fahren beide in eine Waldhütte, wo sie auch an ihrer Doktorarbeit über Hexenverbrennung schrieb. Allmählich scheint die Therapie anzuschlagen, jedoch eskaliert die Situation und die Frau verliert die Kontrolle über sich…

Kritik

Es fällt mir nicht leicht über ANTICHRIST zu schreiben, nach dem Film war ich selbst erstmal verstört und konnte den Aufschrei über den Film voll und ganz nachvollziehen. Nachdem der Film zum ersten Mal bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes gezeigt wurde, polarisierte Lars von Trier die Filmkritiker. Aktuell wird in Bezug auf den Film von einer „Hassliebe“, einem Skandal der Filmgeschichte, aber auch von einem besonders wertvollen Film gesprochen. Derweil wollte von Trier angeblich nur seine Depressionen überwinden. Wie dem auch sei, ich habe mich vorerst auch einschüchtern lassen, nachdem ich las, dass Zuschauer beim Rezipieren in Ohnmacht gefallen seien und sich auch das SAW-Publikum auf harte Szenen gefasst machen müsste.

ANTICHRIST ist kein Mainstream, das wird schon bei der Eröffnungsszene deutlich. Die künstlerische Slow-Motion-Szene, die das Ehepaar beim Sex und parallel das Kind beim Fall zeigt, wirkt wie ein avancierter Todesmarsch, der an den gefallenen Engel, den Teufel hindeuten soll. Der ganze Film deutet mit kleinen Gesten auf das Böse in der Natur hin: das Reh, welches die Fehlgeburt am Hinterteil trägt, der märchenhafte sprechende Fuchs und der Rabe, der sein eigenes Kadaver frisst, sind die Vorboten für das Böse.

Die darauffolgenden Sexszenen erinnern an pornografische Filme und auch die Gewaltszenen sind hart und sollen bewusst schockieren. Die Ehefrau wird zur Bestie und konfrontiert den Zuschauer selbst mit seiner größten Angst: der Kastrationsangst. Nachdem sie ihrem Mann einen Klotz ans Bein geschraubt hat, verstümmelt sie sich ihre Klitoris. Die Szenen sind sehr provokant und wahrlich nichts für zarte Gemüter.

Doch was hat es nun mit dem Titel ANTICHRIST auf sich? Es gibt zahlreiche Interpretationsmöglichkeiten. Die Eröffnungsszene wird als umgekehrte Schöpfung angesehen, da das Kind beim Geschlechtsakt nicht gezeugt wird, sondern stirbt. Im weiteren Verlauf wird der Ehemann stutzig, als er die schiefen Füße seines Kindes auf Bildern entdeckt- diese erinnern an Hufen, die auch der Teufel haben soll. Die Frau mutiert im Wald zu einer Bestie und geht selbst davon aus, dass Frauen von Natur aus Böse sind. Neben dem „Bösen im Menschen“ wird auch ein Beziehungsdrama thematisiert. Der Film ist eine Mischung aus Horror/Thriller und Drama, der bis an die Grenzen geht. Zur genauen Deutung des Filmes kann ich euch eine Page empfehlen, die sich intensiv mit der Interpretation von ANTICHRIST beschäftigt hat: http://www.medienheft.ch/kritik/bibliothek/k09_MartigCharles_02.html.

Lars von Trier hat zwar noch keinen Preis für seinen selbsternannten „wichtigsten Film“ erhalten, auch in Cannes blieben die Standing Ovations aus, dennoch konnte sich die Hauptdarstellerin Charlotte Gainsbourg über einen Preis als beste weibliche Darstellerin freuen. Hoffen kann von Trier aber immer noch auf den Europäischen Filmpreis 2009, da sein Film ANTICHRIST auf der Shortlist steht.

Fazit

Ein echt kranker und provokanter Horrorstreifen, der einen erschütternden Einblick in die Abgründe der menschlichen Psyche zeigt! Lars von Trier- Fans kommen auf jeden Fall auf ihre Kosten!

Offizielle Homepage

http://www.antichristthemovie.com/?language=en

Was haltet ihr von dem Film?

zum Einschlafenlangweiliggeht sookganz gutempfehlenswertgenial
(17 Stimmen, Durchschnitt: 5,82 von 7)

Loading ... Loading ...


Ähnliche Beiträge

10 Kommentare zu “Antichrist”

  1. Chrissie sagt:

    Klasse Beschreibung, den Streifen muss ich mir unbedingt anschauen, hoffentlich kann ich danach noch einschlafen und werde nicht von Alpträume verfolgt.

  2. franzi sagt:

    Alpträume wirst du nicht haben…ist eher ein Psycho…einfach nur hart…

  3. Chrissie sagt:

    da bin ich ja beruhigt ;-)
    übrigens weiter so, super blog! :-)

  4. matze sagt:

    Sehr krasser Film! Der ist sicher nichts für jedermann…

  5. *Sebi sagt:

    Muss man sehen oder was? der trailer reist mich nicht so…

  6. Flug sagt:

    habe ihn gerade gesehen und muss das alles erstmal verarbeiten!
    sehr tolle atmosphärische, ja sogar ästhetische bilder die lars von trier dem zuschauer bietet. die beiden hauptdarsteller spielen ihre rolle sehr hingabevoll und authentisch!
    den rausch der gewalt und die heftigen bilder zum schluss des filmes machen aber echt betroffen. ich denke viele leute die den film zu beginn gut fanden werden durch die gewaltdarstellung angewidert sein!

    bin mir selber noch nicht ganz sicher ob diese “eskalation der gewalt” für den film nötig war.

    im kopf wird der film mir aber auf jeden fall noch lange bleiben!

  7. Mensch1 sagt:

    Sehr guter Film –> Man denkt danach sehr intensiv über den Film nach.

  8. gugi sagt:

    grosse kunst, grosses kino…

  9. Peter sagt:

    …Nachdem sie ihrem Mann einEN Klotz….
    nicht ….ihrem Mann ein Klotz….

    ist nur einer von einigen Fehlern….!

  10. franzi sagt:

    Danke für den Hinweis. Habs geändert. ;-)

Kommentar schreiben